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Ich, Tamagotchi!

Was haben wir gestaunt und gelacht als der japanische Elektronik- und Unterhaltungskonzern Bandai, in der Mitte der 90er Jahre, das Elektronikspielzeug Tamagotchi auf den Markt brachte. Das virtuelle Küken bedurfte rund um die Uhr einer hohen Zuwendung. Menschlich reale Bedürfnisse, wie Schlafen, Aufnahme von Nahrungsmitteln, die Beschäftigung und damit einhergehende Aufmerksamkeit vermittelten den Anschein einer eigenständigen Persönlichkeit die bei unsachgemäßer Behandlung auch auf einem virtuellen Friedhof ihr Ende finden konnte. Diese Projektion verhalf dem kleinen Ei zu einem weltumspannenden Erfolg und polarisierte schon damals zwischen ihren stolzen Besitzern und jenen, die diesem Kult nichts abgewinnen konnten.

Ein Jahrzehnt später bin ich selbst zum Tamagotchi geworden. Die Anforderungen der Ökonomie, der verstärkte Bedarf nach Kollaboration, die Beschleunigung der Gesellschaft begünstigen eine Entwicklung in der sich Wahrnehmungen und Rezeption rapide verändern und fraktalisierte Identitäten zu einem Patchwork-Puzzle werden. Meine Präsenz und meine digitalen Identitäten in sozialen Netzwerken wie Xing, Facebook, Twitter, Netlog oder Linkedin, erfordern heute einen ebensolchen Aufwand wie ihn das Tamagotchi verlangt hat, gehen zunehmend mit wachsender Unzufriedenheit und im schlimmsten Fall mit virtuellen Suiziden einher. Die von der Österreichischen Telekom initiierte Veranstaltungsreihe „twenty.twenty – exploring the future“ stellt sich daraus resultierenden Fragen. Welchen Nutzen und welchen Preis haben der technische Fortschritt und vor allem wie wird er unser Leben verändern?

Geert Lovink, niederländisch-australischer Medienwissenschafter und Netzaktivist wird dabei der Frage nachgehen, wie wir selber zum „Ich 2.0“ beitragen können,. Unsere digitale Repräsentanz im Netz beinhaltet soziologische, psychologische und philosophische Komponenten des Identitätsmodells und stellt die Frage in den Raum, wie Identitäts-Management dazu beitragen kann, die Autonomie und Selbstbestimmtheit über digitale Persönlichkeitsmerkmale und deren Ausprägung zu erhalten und zu kontrollieren. Es bedarf letztendlich einer systemischen Infrastruktur, um die kontextabhängige Präsentation meiner selbst und den Schutz meiner Privacy zu gewährleisten. Neue Netzwerke, wie z.b. „diaspora“, haben es sich deshalb zur Aufgabe gemacht unter diesen Prämissen die Sicherheitsbedürfnisse der User zu garantieren. Über normierte Schnittstellen definiert der Nutzer welche Daten zur Verfügung gestellt werden und bleibt dieser dabei immer Verwalter jener Attribute, die die Konsistenz seiner digitalen Identität sicherstellt.

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